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Presseberichte

 

"Soziale Faktoren sind entscheidend"
Im HNA-Interview erläutert der Kriminologe Prof. Dr. Rudolf Egg die Ursachen und die Hintergründe von Jugendgewalt

Von Andreas Hermann 14.10.08

KORBACH. Über „Jugendgewalt - Dimensionen und Hintergründe“ wird Prof. Dr. Rudolf Egg am 20. Oktober zum Auftakt der 4. Korbacher Präventionswoche referieren. Im Vorfeld sprachen wir mit dem Direktor der Kriminologischen Zentralstelle (KrimZ/Wiesbaden) über Wahrnehmung und Ursachen von Jugendgewalt sowie über Möglichkeiten der Vorbeugung.

Medien berichten immer häufiger von Schlägereien und Übergriffen junger Leute. Hat die Jugendgewalt tatsächlich derart zugenommen?

Prof. Dr. Rudolf Egg: Diese Frage kann man nicht mit einem Satz und auch nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantworten. Einerseits gibt es Studien, die von einer Zunahme der Körperverletzungen bei Jugendlichen ausgehen. Allerdings hängt diese Zunahme auch mit einem geänderten Anzeigeverhalten zusammen. Jugendgewalt wird heute viel öfter als früher angezeigt. Andererseits gibt es Untersuchungen, wonach etwa die Zahl so genannter Rauf-Unfälle an Schulen in den vergangenen Jahren abgenommen hat. Die Jugendgewalt steigt also nicht ständig und nicht überall.

Welche Gewaltarten herrschen bei jungen Leuten vor?

Egg: Vorwiegend Mobbing, Pöbeleien, Schlägereien. Manchmal werden auch Aufnahmen davon gemacht, wie jemand verprügelt wird. Und diese Szenen werden dann per Handy oder im Internet gezeigt. Schwerste Gewalt - also tödliche Delikte und Vergewaltigung - spielt dagegen bei Jugendlichen kaum eine Rolle.

Lassen sich regionale Unterschiede erkennen?

Egg: Ja, aber nicht nach einem einfachen Ost-West- oder Nord-Süd-Schema, sondern vor allem nach sozialen Brennpunkten. Soziale Faktoren sind entscheidend für das Ausmaß an Jugendgewalt. Schwierig ist es zum Beispiel, wenn es in der Bevölkerung einen hohen Anteil an Migranten mit gleichzeitig vielen jungen Menschen, aber wenig Bildungs- und Berufschancen gibt.

Ist Jugendgewalt ausschließlich ein Problem mit Jungen und jungen Männern?

Egg: Überwiegend ja. Doch es gibt auch Gewalt von Mädchen und jungen Frauen, auch körperliche Gewalt.

Wo liegen die Ursachen von Jugendgewalt?

Egg: Die Ursachen liegen primär in den Familien. Es kommt darauf an, ob es in den ersten Lebensjahren gelingt, eine feste Bindung zwischen Kind und Eltern zu schaffen, ob also so etwas wie ein Urvertrauen – in andere und in sich selbst - da ist. Risikofaktoren sind zum Beispiel häufig wechselnde Bezugspersonen oder solche mit Alkohol- und Drogenproblemen und auch selbst erlebte Gewalt in der Familie. Später ist entscheidend, mit welchen Jugendlichen sie zusammenkommen. Wie ihr Bildungsstand ist, wie viel Alkohol in der Gruppe konsumiert wird und so weiter. Die Ursachen von Gewalt sind vielfältig. Es hängt davon ab, wie viele ungünstige Faktoren sich bei einer Person häufen.

Welcher Trend ist erkennbar?

Egg: Es gibt keinen einheitlichen Trend - weder zum Guten noch zum Bösen.

Wie sollten Eltern reagieren, wenn sie bemerken, dass ihr Kind zu Gewalt neigt?

Egg: Das hängt davon ab, wie sich das Kind ansonsten verhält. Eltern sollten sich den ersten Vorfall genau anschauen. Wenn ihr Kind nur Mitläufer in einer Gruppe ist, sollten sie eher gelassen reagieren und das Gespräch suchen. Anders stellt sich die Situation natürlich dar, wenn bereits eine Reihe von Übergriffen vorliegt. Dann ist es wahrscheinlich sinnvoll, sich professionelle Hilfe - etwa von einer Beratungsstelle - zu holen.

Und wie sollten Eltern reagieren, deren Kind von Gewalt anderer betroffen ist?

Egg: Auch das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Zunächst sollten Eltern vor allem das Gespräch mit ihrem Kind und mit der Schule suchen. Danach sollten sie entscheiden, ob sie die Sache bei der Polizei zur Anzeige bringen wollen.

Wie kann man der Gewalt von und unter Jugendlichen vorbeugen?

Egg: Indem man möglichst viele Risikofaktoren zu vermeiden versucht. Zum Beispiel durch Möglichkeiten für eine gute Schulbildung und Ausbildung. Aber auch im Freizeitbereich müssen für Jugendliche attraktive Angebote geschaffen werden. Dabei sollte man auch mal originelle und neue Wege gehen. So wird an manchen Orten zum Beispiel ein so genanntes Mitternachts-Basketball angeboten, das auch jene anspricht, die mit dem üblichen Angebot eines Sportvereins nicht erreicht werden.

Welche Bedeutung haben in diesem Zusammenhang Veranstaltungen wie die Korbacher Präventionswoche?

Egg: Solche Präventionsveranstaltungen sind sehr gut, da hier die Maßnahmen gegen Jugendgewalt in einer Region gebündelt vorgestellt werden. Alle Gruppen können sich präsentieren. Solche Anstöße sind sehr sinnvoll und bewirken oft mehr als große Reden von Politikern oder Appelle von Spitzensportlern.

Aber erreicht man damit überhaupt die Jugendlichen, um die es eigentlich geht?

Egg: Die Jugendlichen selbst vielleicht weniger. Ich denke aber, die Eltern, die Schulen, Vereine und so weiter schon. Das scheint ja auch mit der Präventionsarbeit in der Stadt Korbach gut gelungen zu sein.

„Die Jugendgewalt steigt nicht ständig und überall“: Prof. Dr. Rudolf Egg, der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden. Foto: nh

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Zur Person: Prof. Dr. Rudolf Egg (60) ist seit dem Jahr 1997 Direktor der Kriminologischen Zentralstelle (KrimZ) in Wiesbaden (siehe Hintergrund). Seit 1986 hatte der gebürtige Nürnberger bereits die stellvertretende Leitung inne. Von 1983 bis 1985 war er Vertreter des Lehrstuhls für Psychologie an der Universität Bayreuth. Egg erwarb die akademischen Grade/Bezeichnungen Dipl.-Psychologe (1973), Dr. phil. (1979), Dr. phil. habil. (1983), Venia Legendi für das Fach Psychologie/Privatdozent (1986) und apl. Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg (seit 1990). Als Arbeitsschwerpunkte und Interessensgebiete führt er Kriminal- und Rechtspsychologie, Rückfälligkeit und Behandlung von Straftätern, Drogen und Kriminalität, Sexual- und Gewaltdelikte, Aspekte von Tätern und Opfern sowie die forensisch-psychologische Begutachtung an. (aha)

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Hintergrund: Zentralstelle von Bund und Ländern

Die Kriminologische Zentralstelle (KrimZ) ist die zentrale Forschungs- und Dokumentationseinrichtung des Bundes und der Länder für die Strafrechtspflege. Sie arbeitet seit 1986 in Wiesbaden.

Die KrimZ veranstaltet regelmäßig Fachtagungen zu aktuellen Themen der Kriminalpolitik. Sie dokumentiert Forschungsergebnisse und führt praxisbezogene Forschungsprojekte durch.

Bei der Dokumentation kriminologischer Literatur und Forschung kooperiert die KrimZ mit anderen Dokumentationsstellen und Datenbanken. Daraus ist die kriminologische Literaturdatenbank KrimLit hervorgegangen.

Die Forschungsprojekte sind zumeist praxisrelavante Untersuchungen auf dem Gebiet der Strafrechtspflege. Sie sollen unter anderem überregionale Vergleiche ermöglichen. (aha)

www.krimz.de

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Sucht, Gewalt - und echte Werte
Die vierte Präventionswoche wartet mit mehr als 50 Einzelveranstaltungen auf

Von aha 14.10.08

KORBACH. Mit Informationsständen am Samstag auf dem Berndorfer Torplatz und ökumenischem Gottesdienst am Sonntagabend in der Kilianskirche startet an diesem Wochenende die 4. Korbacher Präventionswoche.

Vom 18. bis 24. Oktober stehen in der Kreisstadt mehr als 50 Einzelveranstaltungen unter dem Motto „Gucken statt ducken“. Angeboten werden Informationen und Aktionen zu Suchtprävention, Antigewalttraining, Missbrauch, Alkohol im Straßenverkehr, Schutz vor Einbrechern und zu vielen weiteren Themen.

Zur offiziellen Eröffnung der Präventionswoche am Montag, 20. Oktober, wird der renommierte Kriminologe Prof. Dr. Rudolf Egg erwartet (siehe Interview oben). Erstmals in Korbach zu Gast, wird der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle (KrimZ/Wiesbaden) über „Jugendgewalt - Dimensionen und Hintergründe“ sprechen.

Hochkarätige Teilnehmer

Mit weiteren hochkarätigen Teilnehmern wartet die 4. Präventionswoche auf. So wird Dr. Stephan Holthaus, der Dekan der Freien Theologischen Akademie Gießen, einen Vortrag über „Werte – was Deutschland wirklich braucht“ halten. „Sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ ist das Thema von Dr. Angela May von der Bundesarbeitsgemeinschaft Sucht und Prophylaxe Berlin.

Neben überregionalen werden auch wieder zahlreiche Experten aus Korbach und Umgebung ihren Beitrag zur Korbacher Präventionswoche leisten - vom Kriminalpolizisten über den Arzt und Staatsanwalt bis hin zur Ernährungsberaterin. (aha)

Service: Das vollständige Programm der 4. Korbacher Präventionswoche gibt es als Broschüre (zum Beispiel im Bürgerbüro) und im Internet, abrufbar als pdf-Datei unter www.korbach.de

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Übergriffen entgegenwirken
Kostenloser Vortrag über sexualisierte Gewalt an Kindern

Von nh/eds 14.10.08

Während der Präventionswoche findet am Montag, 20. Oktober, ab 19.30 Uhr im Bürgerhaus ein kostenloser Vortrag mit Diskussion zum Thema „Sexualisierte Gewalt an Kinder und Jugendlichen - wahrnehmen und einschreiten“ statt.

Sexualisierte Gewalt sei ein Thema, das viele betreffe und das betroffen und hilflos mache, heißt es in der Ankündigung. Für viele Mädchen und Jungen sei sexualisierte Gewalt ein alltägliches Problem. So gebe es viel mehr Opfer, als bekannt werden, denn die meisten Opfer erlebten die sexualisierte Gewalt dort, wo er am wenigsten vermutet werde: in den Familien oder in deren Umgebung. Die Opfer seien meist voller Angst, Scham, Entsetzen, Hilflosigkeit oder Wut über das Geschehene.

Missbrauchte Kinder dürften nicht erst dann wahrgenommen werden, wenn sie ermordet wurden. Vielmehr müsse die Gesellschaft lernen, dass jeder sexuelle Übergriff auf ein Kind ein Angriff auf dessen Leib und Seele sei, dem Einhalt geboten werden muss. Über das Thema spricht Dr. Angela May von der Bundesarbeitsgemeinschaft Prävention und Prophylaxe Berlin. Dr. May ist Erziehungswissenschaftlerin, Bildungsreferentin und Psychotherapeutin.

Die 1998 gegründete Arbeitsgemeinschaft ist auf verschiedenen Ebenen tätig: Intervention und Fallsupervision bei Verdacht auf sexuelle Übergriffe, Therapieberatung, zielgruppenorientierte Vorbeugungsangebote.

Für die Teilnahme an dieser Veranstaltung erhalten Lehrkräfte fünf Leistungspunkte. (nh/eds)

Info: Jugendhaus Korbach, 05631/53950. www.jugendhaus.korbach.de

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Nikotin und Ess-Sucht

Nikotinsucht ist Thema eines Vortrags am Dienstag, 21. Oktober: Onkologe Dr. Kai Tammoscheit vom Stadtkrankenhaus referiert über Entstehung der Sucht und die Auswirkungen auf Organe. Dr. Timo Rieger schildert die Schäden an Gefäßen.

Ess-Störungen bei Kindern sind Thema am Mittwoch, 22. Oktober. Internistin Dr. Barbara Freitag und Ernährungsberaterin Sandra Brühne informieren über Entstehung und Auswirkung der Ess-Sucht.

Beide Vorträge beginnen um 19 Uhr im Vortragsraum des Stadtkrankenhauses. (ber)

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Stopp dem Einbruch

Stopp dem Wohnungseinbruch-Diebstahl: Damit beteiligt sich die Polizei an der Präventionswoche. Am Freitag, 24. Oktober, gibt die Polizei dazu Informationen. Dazu findet auf dem Parkplatz des Medialandes in der Briloner Landstraße von 13 bis 18 Uhr unter anderem eine Sicherheitsmesse statt. Sie wird von der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle gemeinsam mit Fachunternehmen aus der Region gestaltet.

Sicherheitstipps gegen Alltagskriminalität gibt Jürgen Wilke (Beratungsstelle) VdK- und DRK-Mitgliedern am 24. Oktober in der Stadthalle.

Quelle: HNA (Wal), 14.11.08, S. 13.

 


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