Presseberichte
Was hält uns
zusammen?
Präventionswoche: Diskussion
über Verlust von und Sehnsucht nach
WertenVon Ingo Happel-Emrich 24.10.08
KORBACH.
"Der soziale Kitt ist gefährdet."
Das stellte Dr. Stephan Holthaus am
Donnerstagabend in seinem Vortrag anlässlich
der Korbacher Präventionswoche fest.
Und der Dozent für Ethik an der
Theologischen Hochschule in Gießen
machte den Verlust an Werten, dem
sozialen Kitt, an drei Beispielen
deutlich.
Die
Finanzkrise
Diese habe zwei Ursachen: Die
Immobilienkrise in den USA, wo
Millionen Menschen über Jahre
"auf Pump gelebt haben, in der
Hoffnung, es werde schon gut
gehen". Zwei Millionen Menschen müssten
ihr Haus verkaufen, weil sie die
Kredite nicht mehr zahlen können,
sechs Millionen seien davon bedroht.
Und auch in Deutschland seien über
zwei Millionen Menschen "total überschuldet",
erklärte Holthaus. "Wir leben auf
Pump."
Zweiter Grund für die Finanzkrise
sei die Zockermentalität in den
Bankkreisen, die "Gier nach
Rendite, die Gier nach mehr".
Seine Kritik beschränkte der
Ethikdozent aber nicht auf die
Wirtschafts- und Finanzmanager. Auch
viele normale Menschen hätten
jahrelang von dieser Zockermentalität
profitiert und sich nicht beschwert.
In der Krise liege aber auch eine
Chance: Sich zurückzubesinnen auf die
Fundamente der sozialen
Marktwirtschaft, die auf "zutiefst
christlichen Werten" beruhe.
Die
Familien
Eine neue Studie habe ergeben, dass
den Deutschen die Familie am
wichtigsten, ja am heiligsten sei. Doch
die Institution Familie ist bedroht,
stellte Holthaus fest. Es gebe immer
weniger Familien und immer weniger
Kinder. In 53 Prozent der Familien lebe
nur noch ein Kind, die Familien seien
oft geografisch ausein-andergerissen,
die Mehrgenerationenfamilie gebe es
kaum noch. Ein Viertel aller Kinder
wachse nicht in klassischen
Familienstrukturen auf.
Holthaus forderte, die Familien
besser zu fördern. Nicht nur
finanziell müssten sie bessergestellt
werden, Familien bräuchten mehr
Unterstützung.
Die
Jugend von heute
Die Jugend von heute sei zwar besser
als ihr Ruf, sagte Holthaus. Doch habe
sich das Leben der Jugendlichen gegenüber
dem der Jugendgenerationen zuvor
radikal verändert. Früher sei das
Leben vom Schicksal bestimmt gewesen,
Jugendliche heute wüchsen in einer
Multioptionsgesellschaft auf und müssten
ständig Entscheidungen treffen: Welche
der vielen Hosen ziehe ich an, welchen
der 200 Fernsehsender sehe ich, welche
der vielen möglichen
Berufsausbildungen mache ich? Junge
Leute würden unruhig, weil sie nichts
verpassen wollten.
Hinzu komme, dass sich wegen der
Vielzahl der Eindrücke, Informationen
und Möglichkeiten nicht mehr
entscheiden lasse, was wirklich wichtig
ist. Beispiel Internet: Gebe man dort
einen Suchbegriff ein, erhalte man
tausende Treffer angezeigt. Holthaus:
"Das ist wie ein 1000-Teile-Puzzle
ohne Rahmen". Laut Holthaus
brauchen die jungen Menschen heute mehr
denn je Werte als einen
"Gesamtrahmen des Lebens".
Als Fazit forderte Holthaus:
"Wir brauchen eine offensive
Wertedebatte. Eine Diskussion darüber,
was uns als Gesellschaft zusammenhält",
sagte Stephan Holthaus Das Problem sei,
dass jeder seine eigenen Werte habe, es
aber kaum noch gemeinsame Werte gebe.
Holthaus stellte fest, dass Menschen
nicht nur Rechte, sondern auch
Pflichten haben. "Und diese müssen
wir formulieren." Dabei, so
Holthaus, spiele Religion eine wichtige
Rolle.

Wertedebatte: Die
Deutschen müssen darüber debattieren,
welche Werte und Normen die
Gesellschaft zusammenhalten, forderte
Dr. Stephan Holthaus, Dekan und Dozent
für Ethik an der Freien Theologischen
Hochschule Gießen, am Donnerstagabend
in der Korbacher Stadthalle während
einer Diskussionsveranstaltung zur Präventionswoche.
Foto: Happel-Emrich
Quelle: http://www.hna.de/korbachstart/00_2008
1024195600_Was_haelt_uns_zusammen.html
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