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Presseberichte

 

CDU reaktiviert Eckart Hardegen
Nach dem Rücktritt von Andreas Kwoll wählt die Union einen Rückkehrer an die Fraktionsspitze

Von Jörg Kleine 07.09.09

KORBACH. Eckart Hardegen ist neuer Chef der CDU-Fraktion. Nach dem Rücktritt von Andreas Kwoll soll der erfahrene Unionsmann die Fraktion bis zur Kommunalwahl 2011 wieder in ruhigere Bahnen bringen.

Bei einer kurzfristigen einberufenen CDU-Vorstandssitzung gab es für Hardegen am Freitagabend einhellige Zustimmung, den Fraktionsvorsitz zu übernehmen, erklärt der neue Mann an der Spitze der Unionsfraktion. Vorgänger Andreas Kwoll hatte am vergangenen Montag für einen Paukenschlag gesorgt und war mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Zugleich hat Kwoll die Partei verlassen. Sein Mandat im Stadtparlament will Kwoll indes fortführen.

In der CDU-Vorstandssitzung vom Freitag waren zunächst auch die jüngeren Kandidaten Heinz Langerzik und Dr. Marc Müllenhoff als mögliche Fraktionschefs im Gespräch, bestätigte Hardegen am Wochenende gegenüber WLZ-FZ. Langerzik sei jedoch berufich stark eingespannt, und Müllenhoff wolle zunächst noch mehr politische Erfahrung sammeln. Somit sei das Votum am Ende der Aussprache einstimmig für Hardegen ausgefallen.

„Das war nicht meine Lebensplanung“

„Das war nicht meine Lebensplanung“, kommentiert Hardegen seine Wahl. Denn ehedem hatte Hardegen selbst alle Parlamentarier über 65 Jahre grundsätzlich in Frage gestellt, räumt der agile 69-Jährige ein. Indes gelte heutzutage eine andere Leitlinie. Motto: Eine Mixtur aus Jung und Alt kann in der Politik nicht schaden.

Das untermauert die demografische Entwicklung in Deutschland mit einem wachsenden Anteil älterer Menschen – die in der Politik vertreten sein wollen. Zum anderen schöpfen die Parteien auf kommunaler Ebene auch nicht gerade aus einem Füllhorn an politischen Galionsfguren – die vor allem auch die erforderliche Zeit mitbringen.

Die CDU Korbach habe indes guten Nachwuchs, betont Hardegen. Aber: „Wir brauchen im Moment Ruhe und Beständigkeit“, erklärt der neue Fraktionschef das Motiv der Union – gerade in Zeiten, in denen auf Kreis- und Stadtverbandsebene etliche Turbulenzen herrschen.

Parallel hat die CDU auch auf Kreisebene nach dem Abschied von Dr. Christoph Butterweck (Korbach) als Parteichef auf Erfahrung gesetzt: Der frühere Regierungspräsident und langjährige CDU-Parteichef Lutz Klein (Battenberg) soll die CDU intern befrieden und auf gemeinsamen Kurs zurückbringen.

In der Korbacher CDU-Fraktion hat Hardegen – seit 2005 wieder im Parlament – nunmehr diese Herausforderung übernommen. In die Waagschale wirft er einen großen Erfahrungsschatz, denn er ist – mit Unterbrechung – seit 1974 für die CDU im Stadtparlament aktiv. In zwei Wochen feiert Hardegen seinen 70. Geburtstag.

Er wohnt in der Kernstadt und ist Maschinenbau-Ingenieur. Bei Conti war Hardegen über Jahre als Umwelt- und Sicherheitsexperte für alle Reifenwerke weltweit zuständig. 1974 rückte er ins Stadtparlament und war dort lange Zeit Fraktionschef der CDU.

Damals ging es etwa um Stadtsanierung, Museumsbau, Anbau des Freizeitbads und Ausrichtung auf den Hessentag (1997) als knifflige kommunalpolitische Punkte in Korbach. Dabei war die CDU jedoch nicht in „Regierungsverantwortung“: Die SPD stellte mit Wolfgang Bonhage den Bürgermeister, der 1994 klar gegen seine CDU-Herausforderin Diana Maria Friz (Bad Arolsen), Mitglied der Krupp-Familie, die erste Direktwahl gewann. Zugleich hatte die SPD eine Mehrheit im Parlament.

„Korbacher Verhältnisse“ hieß damals ein Schlagwort. Will heißen: Nicht Parteiräson, sondern die Sache sollte im Vordergrund der Stadtpolitik stehen. Der CDU als Nummer zwei hinter der SPD fiel demgemäß der Posten des Ersten Stadtrats oder des Parlamentschefs zu – ein ungeschriebenes Gesetz.

In der Stadtverordnetenversammlung waren es just Eckart Hardegen und sein SPD-Kollege Helmut Schmidt, die sich Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre muntere Rededuelle lieferten. Hardegen, der bildhafte Verbalkünstler mit Bauchgefühl; Schmidt, der juristisch geschliffene Rhetoriker mit gleichermaßen Emotion.

„Am Ende konnten wir immer zusammen ein Bier trinken gehen“, erinnert sich Hardegen. Denn „die Grenze einer Entscheidung darf nicht das Parteibuch sein“, sagt er: Es gebe keine CDU-Ampel, SPD-Straße oder FWG-Haltebucht.

„Der Stil im Parlament hat sich geändert“, resümiert Hardegen auf Nachfrage. Und das könnte für Beobachter nach mehr Harmoniebedürfnis klingen. Zumal Hardegen manche politische Entscheidung ab 2000/2001 offenbar (selbst-)kritisch sieht: Mit der bürgerlichen Kooperation aus CDU, FWG und FDP besetzte die Union seither stets alle wichtigen Posten – ob Erster Stadtrat oder Parlamentsvorsteher. Obwohl die SPD doch weiterhin stärkste Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung sei.

Da nimmt es nicht Wunder, dass sich dieser Tage auch der Sozialdemokrat Helmut Schmidt öffentlich zu Wort meldete über die Ereignisse bei der CDU. Schmidts Analyse kam ohne Häme – aber mit der vielsagenden Formel der „Korbacher Verhältnisse“.

An der Kooperation mit FWG und FDP im Stadtparlament will Hardegen derweil nicht rütteln. Die CDU werde zum Wohle der Stadt Korbach in Sachfragen aber auch das Gespräch mit den anderen Fraktionen suchen, sagt Hardegen.

Alte und neue „Korbacher Verhältnisse“

Fraktionszwang und Parteipolitik seien eben nicht die obersten Maßstäbe für Kommunalpolitik. Insofern sei auch in Zukunft nicht auszuschließen, dass es in der Union zu entscheidenden Fragen unterschiedliche Meinungen gebe. Das sei Ausdruck von Demokratie und Fairness – keineswegs Zerstrittenheit oder Führungslosigkeit. Damit begegnete Hardegen zugleich Kommentaren aus den Reihen der bürgerlichen Koop-Partner sowie des früheren Fraktionschefs Andreas Kwoll.

Andererseits kann Hardegen eine Fülle an Auseinandersetzungen nicht einfach wegdiskutieren – ob CDU-intern oder auch innerhalb der Kooperation mit FWG und FDP. Denn zwischen den Freien Wählern und dem (noch) amtierenden CDU-Stadtverbandschef und Strategen Dr. Christoph Butterweck hat es wiederholt heftig rumort. Da war der Landratswahlkampf zuletzt keineswegs der Anfang, sondern das Ende.

Inzwischen hat Butterweck auf Druck seine Ämter als Partei- und Fraktionschef auf Kreisebene niedergelegt. Auch an der Spitze des Korbacher Stadtverbandes wird Butterweck im Oktober voraussichtlich abgelöst.

Als stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtparlament ist Butterweck jedoch weiter mit von der Partie – neben Ulrike Tönepöhl und zwei weiteren, neuen Fraktions-Vizechefs: Heinz Langerzik und Dr. Marc Müllenhoff. Sie gehören somit offensichtlich zu den Hoffnungsträgern der Korbacher Union mit Blick auf die Kommunalwahl 2011.

Dem vor einer Woche ausgeschiedenen Fraktionsvorsitzenden Andreas Kwoll gibt Hardegen unterdessen ein differenziertes Zeugnis: Kwoll sei „mit Sicherheit ein guter Fraktionschef gewesen, dem wir Anerkennung schulden“, unterstreicht der Nachfolger. Enttäuschung gebe es innerhalb der CDU aber „über den Stil“, wie sich Kwoll aus der Fraktion zurückgezogen habe.

So nahm Kwoll mit einem Brief aus seinem Kuraufenthalt Abschied. Neben gesundheitlichen Problemen nannte Kwoll als inhaltliche Punkte wachsende Schwierigkeiten zur „einheitlichen Willensbildung“, Probleme, „ergebnisoffen“ über wichtige stadtpolitische Fragen zu beraten (etwa Schwimmbad) bis hin zur fehlenden Unterstützung aus Unionsreihen für Bürgermeister Klaus Friedrich als Landratskandidat.

Ein Kritikpunkt betrifft dabei gleichermaßen Eckart Hardegen. Der passionierte Schwimmbad-Gänger überreichte an die Stadt mitten im Landratswahlkampf eine Unterschriftenliste von Korbacher SchwimmbadFreunden zum Erhalt des Freibads.

„Besser ein guter Bürgermeister“

Zudem bestätigt Hardegen ein CDU-internes Ringen um Klaus Friedrich: „Wir hatten eine Diskussion um die Frage, was für Korbach besser ist – ein guter Bürgermeister oder ein guter Landrat“. Und da seien einige der Meinung gewesen, „dass ein guter Bürgermeister besser ist“.

Die Personalfragen sind nunmehr weitgehend geklärt. Spannend wird, wie sich die Zusammenarbeit im Parlament künftig gestaltet. So hatte die FWG bereits Interesse bekundet, Andreas Kwoll als engagierten bürgerlichen Kommunalpolitiker womöglich in ihren Reihen aufzunehmen. Dies wiederum betrachtet die CDU „nicht gerade als freundlichen Akt, wenn ihn (Kwoll) eine andere Gruppierung bei sich hospitieren lässt“, umschreibt es Hardegen.

Derweil hat der neue CDU-Fraktionschef alle anderen Fraktionen im Stadtparlament über sein neues Amt informiert und will in der nächsten Stadtverordnetensitzung eine persönliche Erklärung abgeben.

Eckart Hardegen: Nach 15 Jahren Rückkehr als CDU-Fraktionschef. Foto: Jörg Kleine

Quelle: WLZ, 07.09.09, S. 1 und 14.


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