Christlich Demokratische Union Deutschlands
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Stadtverband Korbach
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Archiv - Chronik I

 

Gründung der CDU in Korbach

Das nationalsozialistische Regime war in Korbach mit dem Einmarsch der Amerikaner am 29. März 1945 zu Ende.

Bürgermeister Dr. Zimmermann, der seit 1927 die Geschicke der Stadt geleitet hatte, wurde am 5. Mai 1945 von der Besatzungsmacht seines Amtes enthoben. In dieser Zeit der Not und des Elends vieler Menschen, in einer Zeit, in der der Kommandant der „Militärregierung“ die Befehlsgewalt über alle Belange des Gemeinwesens ausübte, wurde am 5. Mai 1945 der Altbürgermeister von Zierenberg, Herr Wiegand Pitz, der damals in Korbach lebte, an die Spitze der Verwaltung berufen. Er hatte nun die Aufgabe, den Wiederbeginn in unserer Heimatstadt zu versuchen, Korbach zu einem demokratischen Gemeinwesen umzuformen.

Nachdem zunächst die Sowjetische Militäradministration am 10. Juni 1945 die Bildung von Gewerkschaften und „antifaschistischen Parteien“ erlaubt und die Alliierten am 2. August 1945 im Potsdamer Abkommen die „Zulassung aller demokratischen Parteien“ vereinbart hatten, kam es nach dem Vorbild der in der sowjetischen Zone lizenzierten vier „antifaschistischen Parteien“ auch in Hessen zu Gründungen der SPD, der KPD, der CDU und der Liberaldemokratischen Partei LDP, später FDP.

Als in der amerikanischen Zone die Genehmigung zur Gründung von politischen Parteien auf Kreisebene am 27. August 1945 erfolgte, kam es in vielen Orten zu Gründungsversammlungen. Viele bezogen sich auf den Aufruf der CDUD (Christlich Demokratische Union Deutschland) von Andreas Hermes in Berlin am 26. Juni 1945. Dieser war ein Appell zur Sammlung aller christlichen, demokratischen und sozialen Kräfte: „Aus dem Chaos von Schuld und Schande kann eine Ordnung in demokratischer Freiheit nur entstehen, wenn wir uns auf die kulturgestaltenden, sittlichen und geistigen Kräfte des Christentums besinnen und diese Kraftquelle unserem Volke immer mehr erschließen.“

Die politischen Parteien wurden nach 1945 wieder zu den entscheidenden politischen Kräften. Diesen oblag es, den demokratischen Wiederaufbau zu beginnen.

So trafen sich mit Genehmigung der Militärregierung auch in Korbach am 25. September 1945 Männer und Frauen, die der ehemaligen Zentrumspartei nahestanden, Geistliche und andere namhafte Bürger im sogenannten Turmzimmer des Rathauses, um die Gründung der CDU vorzubereiten. Es waren dies: Bürgermeister Wiegand Pitz, Rektor Georg Volkenand, Pfarrer Hesse, Pfarrer Hohmann, Mittelschullehrerin Selhausen, Schmiedemeister Pistorius, Putzmacherin Rinkowski, Lehrerin Gülich, Rektor Michels, Maler Lange und Franz Knebel.

Nach diesem Treffen kamen Heinrich Beyer und Josef Beck als neue Mitglieder hinzu.

Die politische Arbeit war zunächst auf Korbach beschränkt und konnte erst später auf das Kreisgebiet ausgedehnt werden.

Die Waldeckische Landeszeitung berichtete am 10. November 1945:

Den weiteren Weg unserer Partei und ihrer Verantwortlichen innerhalb unserer Stadt können wir den nachfolgenden Darstellungen in dieser Broschüre entnehmen. Schwer war es, Licht und Klarheit in das Dunkel der Anfänge unserer Partei nach 1945 zu bringen. Insbesondere Herr Peter Knorr hat durch unermüdliche und langjährige Arbeit mit dazu beigetragen, dass diese Jubiläumsschrift überhaupt erscheinen konnte.

Als im November 1945 der Stadtverband seine Arbeit aufnahm, gab es bereits in Kassel, Frankfurt (CDP – Christlich Demokratische Partei), Wiesbaden (CDP), Rheingau (Christliche Volks-Vereinigung), Wetzlar (CDP), Fulda, Darmstadt, Obertaunus, Hanau, Gießen, Offenbach, Bergstraße und Friedberg entsprechende Gruppierungen. In den überwiegend protestantischen Landkreises Nordhessens zogen sich die Gründungen teilweise bis April 1946 hin.

Die hessische CDU war in der Gründungsphase eine heterogene Partei, die nicht eindeutig einem Links-Rechts-Schema zuzuordnen ist. Besonders im Bereich der Wirtschafts- und Sozialpolitik wurden sehr unterschiedliche Auffassungen vertreten: Das Spektrum der CDU-Orts- und Kreisverbände reichte von konservativen Gruppen besonders im nord- und mittelhessischen Raum, die die überkommenen Eigentumsverhältnisse beibehalten wollten und für die Sozialpolitik lediglich karitative Hilfeleistung darstellte, bis zu mehr sozial bis eindeutig sozialistischen Gruppen in Frankfurt, deren Sozialismus jedoch nicht mit Staatssozialismus gleichzusetzen war, de auch wirtschaftliche Macht nicht durch staatliche Omnipotenz ersetzt wissen wollten, deren Sozialismus vielmehr von Misstrauen gegen den Staat und seine Institutionen geprägt war.

Wie in den politischen Zielvorstellungen, so gab es auch bei den Gründungsmotiven starke Unterschiede. Diese reichten vom religiösen Erneuerungsappell, besonders in Südhessen, bis zur mittelständischen Interessenwahrung, besonders in Mittel- und Nordhessen. Während in Frankfurt die Christdemokraten ein enges Zusammengehen mit der Sozialdemokratie – z. T. mit der KPD – anstrebten, wurde in vielen Orten Nord- und Mittelhessens die CDU/CDP als Gegenkraft zu den beiden neugegründeten Arbeiterparteien gesehen. Der innerparteiliche Streit über die politischen Zielvorstellungen sollte noch bis 1954 auf Landes- und Bundesebene währen.

Die CDU in Hessen hat in den vergangenen fünfzig Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. In den ersten Jahren kämpfte sie mit ihrem Landesvorsitzenden Werner Hilpert als „linker“ Landesverband für einen Sozialismus aus christlicher Verantwortung und für eine Koalition mit der SPD. Von einer schweren Wahlniederlage gebeutelt und von der bundesrepublikanischen Wirklichkeit überrollt, musste sich die Union Anfang der fünfziger Jahre schließlich Adenauer und seinen gesellschaftspolitischen Konzept anschließen.

Allen Gründern der ausgehenden vierziger Jahre gemeinsam war jedoch das Streben, nach den Erfahrungen des Naziterrors ein demokratisches Staatswesen zu schaffen, in dem der einzelne vor der Willkür eines Staates oder einer Partei geschützt war, in der es unumstößliche Menschrechte gab, in der der Mensch seine ihm von Gott gegebene Würde wieder erhielt. Man muss heute mit Bewunderung auf diese ersten Parteigründer zurückblicken, die in der Mehrheit nicht des persönlichen Vorteils willen, nicht aus Streben nach Macht und Einfluss eine christliche Partei gründeten und für sie arbeiteten, sondern aus Verantwortung für andere, aus Idealismus handelten.

Welchen politischen Zielsetzungen die Korbacher CDU zunächst folgte, ist nicht mehr feststellbar. Die Tatsache jedoch, dass anlässlich der Gründungsversammlung die Diskussionsredner der SPD und der KPD alle Anwesenden zur Mitarbeit und Gemeinsamkeit aufforderten, lässt auch hier unterschiedliche Erwartungen und Vorstellungen erkennen. Zehn Jahre nach der Gründung berichtete Georg Volkenand, dass die „Toleranz, das gegenseitige Verstehen der Mitglieder aller christlichen Konfessionen im Vordergrund stand.“

Doch auf in den Gemeindewahlergebnissen aus Korbach spiegeln sich die unterschiedlichen Auffassungen zwischen der Bundes- und der Landespartei über die politischen Richtungen wider, und erst Ende der siebziger Jahre erlebte die Korbacher CDU ihre Blüte als stärkste Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung.

 

Hier geht's weiter zur CDU Korbach unter dem Vorsitzenden Georg Volkenand (1945 bis 1956) ...

 


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